Muskelaufbau im Alter: So geht Krafttraining ab 60

2. Juni 2026 | Kraft

Funk­tio­niert Mus­kel­auf­bau im Alter noch? Auf jeden Fall. Wir zeigen, wie Männer und Frauen mit 60 und 70 Jahren durch geziel­tes Kraft­trai­ning Muskeln auf­bauen können – und warum Ernäh­rung und Rege­ne­ra­tion dabei stärker in den Fokus rücken sollten.

Warum Krafttraining im Alter wichtiger denn je ist

Ab 35 ver­liert der Körper jähr­lich etwa ein Prozent an Mus­kel­masse. Ab 50 wird der Mus­kel­ab­bau sogar nochmal beschleu­nigt: Ältere Men­schen bauen jähr­lich rund ein bis zwei Prozent Mus­ku­la­tur ab. Ist es im Alltag spürbar? Ja, Ihnen fehlt schlicht­weg die Kraft. Jede Bewe­gung ist eine kleine bis grosse Her­aus­for­de­rung. Die Wis­sen­schaft spricht hierbei von der soge­nann­ten Sar­ko­pe­nie, dem alters­be­ding­ten Mus­kel­schwund.

Das hat Folgen weit über die Optik hinaus. Schwä­chere Muskeln bedeu­ten ein höheres Sturz­ri­siko, längere Erho­lung nach Krank­hei­ten und einen Verlust an All­tags­kraft. Kraft­trai­ning im Alter ist deshalb keine Frage von Eitel­keit, sondern ist eine der wirk­sams­ten Mass­nah­men, um Mus­kel­masse zu erhal­ten, die Kno­chen­dichte zu erhöhen, fit und länger unab­hän­gig zu bleiben.

Fit im Alter mit Muskelerhalt und Muskelaufbau

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Ist Muskelaufbau im Alter überhaupt möglich?

Der Mythos vom Muskel, der ab einem bestimm­ten Alter nicht mehr wächst, hält sich hart­nä­ckig. Tat­säch­lich reagiert der Körper auch mit 50, 60 oder 70+ Jahren auf gezielte Belas­tung und baut neue Mus­kel­fa­sern auf. Selbst sehr betagte Men­schen gewin­nen in wenigen Wochen spürbar an Kraft, wenn sie regel­mäs­sig trai­nie­ren.

Was sich mit dem Alter ändert, ist nicht die Mög­lich­keit, sondern die Geschwin­dig­keit. Ältere Muskeln brau­chen einen deut­li­che­ren Reiz, um zu wachsen. Kraft­trai­ning mit sehr leich­ten Gewich­ten oder endlose Wie­der­ho­lun­gen mit der Was­ser­fla­sche reichen oft nicht mehr aus. Die Sport­wis­sen­schaft spricht in diesem Zusam­men­hang von ana­bo­ler Resis­tenz. Die Mus­kel­zel­len reagie­ren träger auf Belas­tung und auf Eiweiss aus der Nahrung.

Prak­tisch bedeu­tet das, dass Hanteln, Wider­stands­bän­der oder das eigene Kör­per­ge­wicht so ein­ge­setzt werden sollten, dass die letzten zwei, drei Wie­der­ho­lun­gen wirk­lich for­dernd sind. Wer mit 60 zum ersten Mal trai­niert, darf sich mehr zutrauen, als das Bauch­ge­fühl zunächst sagt. Fort­ge­schrit­tene sollten regel­mäs­sig die Belas­tung leicht stei­gern, um den Reiz auf­recht­zu­er­hal­ten.

Wie schnell kann man Muskeln mit 60 noch aufbauen?

Geduld zahlt sich aus. Erste Ver­än­de­run­gen spürt man oft schon nach drei bis vier Wochen. Treppen werden weniger anstren­gend, Ein­kaufs­ta­schen fühlen sich leich­ter an, aus dem Sessel auf­zu­ste­hen gelingt ohne Schwung. Diese frühen Erfolge kommen vor allem aus dem Ner­ven­sys­tem. Es lernt, mehr Mus­kel­fa­sern gleich­zei­tig zu akti­vie­ren. Die Muskeln selbst werden in dieser Phase noch nicht messbar grösser.

Sicht­ba­res Wachs­tum folgt meist nach acht bis zwölf Wochen regel­mäs­si­gen Kraft­trai­nings mit Gewich­ten. Die Ober­arme wirken etwas voller, die Beine straf­fer, die Haltung auf­rech­ter.

Diese Bau­steine ent­schei­den, wie schnell der Mus­kel­auf­bau im Alter wirk­lich vor­an­kommt:

  • Zwei bis dreimal Kraft­trai­ning pro Woche
  • eiweiss­rei­che Mahl­zei­ten
  • sieben bis neun Stunden erhol­sa­mer Schlaf
  • Übungen für Balance und Sta­bi­li­tät in den Trai­nings­plan ein­bauen

Fehlt einer dieser Bau­steine, bremst sich der Fort­schritt selbst aus.

Mehr als Sixpack! Vorteile von Krafttraining und Muskelaufbau für Senioren

Mehr Balance und Stabilität dank Krafttraining im Alter, dann kann der Mann die Frau auch auf dem Rücken tragen

Sicht­bare Muskeln sind dabei nicht das eigent­li­che Ziel. Was Kraft­trai­ning wirk­lich ver­än­dert, zeigt sich vor allem im Alltag. Mehr Energie, festere Knochen, ein Rücken, der nicht mehr nach jedem Gar­ten­ein­satz pro­tes­tiert.

Die wich­tigs­ten Vor­teile im Über­blick.

  • Stabile Knochen: Der mecha­ni­sche Reiz beim Kraft­trai­ning akti­viert die Kno­chen­zel­len und somit den Kno­chen­stoff­wech­sel. Und eine höhere Kno­chen­dichte kann Osteo­po­rose vor­beu­gen und Stürze enden sel­te­ner mit Brüchen.
  • Bessere Balance: Trai­nierte Bein- und Rumpf­mus­keln sta­bi­li­sie­ren beim Wandern, auf glatten Wegen im Winter oder bei einem plötz­li­chen Stol­pern. So lassen sich Stürze ver­mei­den.
  • Mehr Selbst­ver­trauen und Selbst­stän­dig­keit: Kör­per­li­che Stärke und sich fit im Alter fühlen ver­än­dern den Alltag. Sie sind nicht auf fremde Hilfe ange­wie­sen, können sich unab­hän­gig ver­sor­gen und spon­tane Aus­flüge schre­cken weniger ab.
  • Höherer Grund­um­satz: Mehr Mus­kel­masse ver­brennt auch in Ruhe mehr Kalo­rien. Das Kör­per­ge­wicht lässt sich leich­ter halten.
  • Gut für Gelenke und Rücken: Rücken­trai­ning kräf­tigt gezielt die Rumpf­mus­ku­la­tur und ent­las­tet die Wir­bel­säule. Auch das Heben eines Wäsche­korbs oder eines Rei­se­kof­fers fällt deut­lich mühe­lo­ser.
  • Bes­se­rer Schlaf: Kraft­trai­ning fördert nicht nur den Mus­kel­auf­bau. Es baut auch Stress­hor­mone ab und schüt­tet gleich­zei­tig Endor­phine aus. Auch die Tief­schlaf­pha­sen werden dadurch geför­dert.

Alle Punkte tragen zu einer guten Lebens­qua­li­tät bei. All­tags­be­we­gung in Kom­bi­na­tion mit dem Trai­ning beein­flusst die Psyche positiv – Sie fühlen sich beschwingt und resi­li­en­ter.

Muskelaufbau im Alter ohne Fitnessstudio: Die besten Übungen ab 60

Für effek­ti­ven Mus­kel­auf­bau im Alter braucht es kein Fit­ness­stu­dio. Mit mini­ma­lem Equip­ment wie ver­stell­bare Hanteln, Han­tel­sets oder Fit­ness­bän­der können Sie bereits sämt­li­che grossen Mus­kel­grup­pen abde­cken. Ent­schei­dend sind mehr­ge­len­kige Ver­bund­übun­gen mit ange­mes­se­ner Last. Kraft­trai­ning ab 60 ist kein Reha-Pro­gramm, sondern echtes Trai­ning mit pro­gres­si­ver Stei­ge­rung. Diese sechs Übungen bilden das Fun­da­ment eines soliden Home-Work­outs.

Kreuzheben

Die klas­si­schen Squats sind die Königin der Bein­übun­gen. Diese werden opti­ma­ler­weise in mittels einer olym­pi­schen Lang­han­tel­stange und einem Knie­beu­gen­rack aus­ge­führt.

Goblet Squat

Eine weitere und sehr prak­ti­ka­ble Art der Knie­beu­gen sind die Goblet Squats. Eine Kett­le­bell oder Kurz­han­tel vor der Brust halten, die Füsse etwas weiter als hüft­breit. Das Becken kon­trol­liert nach hinten unten absen­ken, bis die Ober­schen­kel min­des­tens par­al­lel zum Boden stehen. Der Rücken bleibt leicht gebeugt aber, jedoch mit kon­trol­lier­ter Span­nung sta­bi­li­siert, die Knie folgen den Füssen. Diese Kraft­übung trai­niert Qua­dri­zeps, Gesäss, Adduk­to­ren und Rumpf in einem Zug.

Senior trainiert Goblet Squats mit Kettlebell im eignen Home-Gym

Romanian Deadlift mit Kurz- und Langhanteln

Eine der wich­tigs­ten Übungen für die hintere Mus­kel­kette. Mit leicht gebeug­ten Knien und hohlem Kreuz unter kon­stan­ter und kon­trol­lier­ter Span­nung stehen, Kurz­han­teln oder Lang­han­tel vor den Ober­schen­keln. Das Becken nach hinten schie­ben, den Ober­kör­per kon­trol­liert nach vorne neigen. Die Hanteln führen dabei nah am Körper. Hoch­kom­men aus den Gesäss­mus­keln. Die Bewe­gung schützt den unteren Rücken im Alltag und stärkt die Auf­rich­tung wie kaum eine andere Übung.

Senioren macht Romanian Deadlift mit Kurzhanteln in ihrem Wohnzimmer

Ausfallschritte

Einbeinige Beinarbeit fordert Balance und Kraft gleichzeitig. Einen grossen Schritt nach vorne machen, das hintere Knie senkt sich Richtung Boden. Das vordere Knie bleibt über dem Sprunggelenk. Kontrolliert wieder zurück in den Stand. Lunges sprechen die kleinen Stabilisatoren an, die im Alter besonders schnell schwächeln und entscheidend für die Sturzprävention sind. Fortgeschrittene können die Lunges mit Hanteln in jeder Hand ausüben.

Senior trainiert Ausfallschritte aka. Lunges im Wohnzimmer zur Verbesserung seiner Balance

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Vorgebeugtes Rudern

Diese Zug­be­we­gung wirkt der typi­schen Vor­beuge-Haltung im Alter direkt ent­ge­gen. Mit einer Kurz­han­tel in jeder Hand leicht in die Knie gehen, Ober­kör­per bis etwa 45 Grad nach vorne neigen, Rücken gerade. Die Ell­bo­gen eng am Körper nach hinten ziehen, bis sich die Schul­ter­blät­ter annä­hern. Als Alter­na­tive können Sie ent­we­der eine Lang­han­tel nutzen oder Sie führe die Übung ein­ar­mig und mit einer Han­tel­bank als Unter­stüt­zung aus (siehe Bild).

Frau macht vorgebeugtes Rudnern mit einer Hantel und mithilfe einer Hantelbank

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Schulterdrücken

Mit Kurz­han­teln auf Schul­ter­höhe stehen, die Gewichte gerade über den Kopf drücken. Der untere Rücken bleibt stabil, kein Hohl­kreuz. Starke Schul­tern erleich­tern jedes Tragen, Heben und Abstüt­zen im Alltag.

Muskelaufbau im Alter mit Schulterdrücken

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Unterarmstütz (Plank)

Die effek­tivste Übung für eine stabile Kör­per­mitte. Auf den Unter­ar­men abstüt­zen, Beine gestreckt, der Körper bildet eine gerade Linie. 20 bis 60 Sekun­den halten, drei Durch­gänge. Die Plank trai­niert Bauch und Rücken glei­cher­mas­sen und ist die Grund­lage für jede saubere Bewe­gung im Kraft­trai­ning.

Fit im Alter mit Planks, Muskelaufbau mit 60

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Weiteres nützliches Equipment für das Krafttraining zuhause

Wer das Grund­pro­gramm für den Mus­kel­auf­bau erwei­tern möchte, hat im Heim­trai­ning viele Mög­lich­kei­ten. Ein Balance Board bringt Koor­di­na­ti­ons- und Sta­bi­li­täts­übun­gen in den Trai­nings­plan. Schon eine Minute pro Tag auf dem wacke­li­gen Brett akti­viert genau die kleinen Sta­bi­li­sa­to­ren in Sprung­ge­lenk, Knie und Hüfte, die das Sturz­ri­siko im Alter senken.

Tunturi Gleichgewichtsbrett mit Griffen

Ergän­zend dazu lohnt sich ein Bauch- und Rücken­trai­ner, der die tiefe Rumpf­mus­ku­la­tur gezielt anspricht und Hal­tungs­schwä­chen aus­gleicht, die sich nach Jahr­zehn­ten ein­ge­schli­chen haben könnten.

Tunturi CT40 Core Trainer Rückenstrecker

Eine Fit­ness­matte gibt dem Ganzen einen festen, gelenk­scho­nen­den Rahmen.

Eine aus­führ­li­che Anlei­tung zum Heim­trai­ning bietet der isports-Rat­ge­ber zum Thema Home-Gym ein­rich­ten. Zwei bis drei Ein­hei­ten pro Woche reichen für sicht­ba­ren Fort­schritt in puncto Mus­kel­auf­bau. Mehr ist nicht zwin­gend besser, denn die Erho­lung bleibt der eigent­li­che Erfolgs­fak­tor für wach­sende Mus­ku­la­tur.

Können Frauen im Alter noch Muskeln aufbauen?

Mit der Meno­pause stellt sich der weib­li­che Körper neuen Her­aus­for­de­run­gen. Mit dem Östro­gen­ab­fall sinkt nicht nur die Kno­chen­masse schnel­ler, auch die Mus­kel­pro­te­in­syn­these reagiert träger auf Trai­nings­reize. Mus­kel­auf­bau während und nach den Wech­sel­jah­ren ver­langt deshalb klare Prio­ri­tä­ten.

Kno­chen­dichte erhöhen wird in dieser Lebens­phase zu einer der wich­tigs­ten Trai­nings­ziel­set­zun­gen. Ein euro­päi­scher Review und Meta-Analyse an post­me­no­pau­sa­len Frauen zeit, dass Kraft­trai­ning mit mode­ra­ter bis hoher Inten­si­tät den Kno­chen­dich­te­ver­lust effek­tiv bremsen kann. (1) Wichtig dafür ist eine aus­rei­chend hohe Belas­tung. Sehr leichte Gewichte reichen meist nicht aus, um den not­wen­di­gen mecha­ni­schen Reiz für die Kno­chen­zel­len zu setzen.

Unsere Emp­feh­lun­gen für Frauen ab 50, die mit dem Kraft­trai­ning begin­nen:

  1. Setzen Sie auf grosse Ver­bund­übun­gen wie Knie­beu­gen, Kreuz­he­ben mit Kurz­han­teln oder Lang­han­tel oder Schul­ter­drü­cken. Sie spre­chen viele Mus­kel­ket­ten gleich­zei­tig an und belas­ten den Knochen über mehrere Achsen.
  2. Trai­nie­ren Sie pro­gres­siv. Das bedeu­tet: Stei­gern Sie Gewicht oder Wie­der­ho­lun­gen alle ein bis zwei Wochen. Sta­gnie­rende Reize lassen die Muskeln nicht wachsen.
  3. Legen Sie Wert auf Eiweiss zu jeder Haupt­mahl­zeit.

Eine aus­führ­li­che Anlei­tung mit Übungen finden Sie im isports-Maga­zin­ar­ti­kel Kraft- und Han­tel­trai­ning für Frauen.

Regeneration im Alter: Mehr Pause, besserer Schlaf!

Zwi­schen dem 30. und dem 70. Lebens­jahr ver­län­gert sich die Rege­ne­ra­ti­ons­zeit nach inten­si­ven Belas­tun­gen messbar. Was eine 35-Jährige in 24 Stunden weg­steckt, kann eine 65-Jährige zwei bis drei Tage spüren. Das ist keine Schwä­che, sondern eine bio­lo­gi­sche Rea­li­tät.

Erho­lung im Alter ruht auf zwei Säulen:

  • Aus­rei­chende Pausen zwi­schen den Trai­nings­ein­hei­ten und qua­li­ta­tiv guter Schlaf.
  • Sieben bis neun Stunden gelten als ideale Spanne.

Während des Tief­schlafs schüt­tet der Körper Wachs­tums­hor­mone aus, die für die Mus­kel­re­ge­ne­ra­tion zentral sind. Schlech­ter Schlaf bremst das Wachs­tum von Muskeln spürbar.

Aktive Erho­lung in Form von Spa­zier­gän­gen, leich­tem Velo-Fahren auf dem Ergo­me­ter oder sanftem Mobi­li­täts­trai­ning unter­stützt die Durch­blu­tung und beschleu­nigt die Rege­ne­ra­tion. Stress redu­zie­ren lohnt sich zusätz­lich. Kurze Atem­übun­gen oder regel­mäs­si­ger Natur­kon­takt helfen dabei. Chro­ni­scher Stress hebt den Cor­ti­sol­spie­gel und wirkt direkt katabol, also mus­kel­ab­bau­end.

Eine gelenk­scho­nende Mög­lich­keit, den Körper zwi­schen den Kraft­ein­hei­ten in Bewe­gung zu halten, bieten Heim­trai­ner für Senio­ren.

Ernährung ab 60: So unterstützen Sie Muskelaufbau und Regeneration

Ernährung im Alter zum Muskelerhalt und -aufbau

© Jacob Lund – stock.adobe.com

Die zweite Hälfte der Mus­kel­auf­bau-Glei­chung spielt sich auf dem Teller ab. Studien des PROT-AGE-Kon­sor­ti­ums emp­feh­len für Men­schen ab 65 eine täg­li­che Eiweiss­zu­fuhr von 1.0 bis 1.2 Gramm pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht, bei aktivem Kraft­trai­ning gerne bis zu 1.5 Gramm.(2) Das ist deut­lich mehr als die alte Stan­dard­emp­feh­lung und reagiert auf die anabole Resis­tenz älterer Mus­kel­zel­len.

Genauso wichtig wie die Gesamt­menge ist die Ver­tei­lung über den Tag. Der Körper kann pro Mahl­zeit nur eine begrenzte Eiweiss­menge effek­tiv für die Mus­kel­pro­te­in­syn­these nutzen. Drei bis vier pro­te­in­rei­che Mahl­zei­ten mit jeweils 25 bis 30 Gramm Eiweiss gelten als ideal. Als Faust­re­gel hilft eine hand­flä­chen­grosse Portion Fisch, Geflü­gel, Hüt­ten­käse, Tofu oder Hül­sen­früchte wie Kicher­erb­sen, Linsen oder weisse Bohnen pro Mahl­zeit.

Eine essen­ti­elle Ami­no­säure ver­dient beson­dere Auf­merk­sam­keit, das Leucin. Es akti­viert den Mus­kel­auf­bau-Schal­ter mTOR und ist im Alter beson­ders wichtig, um die anabole Resis­tenz zu durch­bre­chen. Gute Quellen sind Eier, Quark, Hähn­chen­brust und Linsen.

Drei weitere Nähr­stoffe lohnen die Auf­merk­sam­keit:

  • Vitamin D unter­stützt Mus­kel­funk­tion und Kno­chen­ge­sund­heit. In den Win­ter­mo­na­ten ist eine Sup­ple­men­tie­rung in der Schweiz oft sinn­voll.
  • Omega-3-Fett­säu­ren aus fettem Fisch, Lein­sa­men, Wal­nüs­sen, Chi­a­sa­men oder Hanf­sa­men wirken ent­zün­dungs­hem­mend und können die Mus­kel­pro­te­in­syn­these unter­stüt­zen.
  • Aus­rei­chende Kalo­rien bilden die Basis. Bei zu gerin­ger Ener­gie­zu­fuhr kann auch mit einer per­fek­ten Eiweiss­zu­fuhr kein aus­rei­chen­des Mus­kel­wachs­tum ent­ste­hen.

Die häufigsten Fehler beim Krafttraining im Alter

Auch moti­vierte Ein­stei­ger bleiben stehen, wenn sich typi­sche Fehler ein­schlei­chen. Diese vier Stol­per­fal­len sehen wir am häu­figs­ten.

Zu langsame Steigerung

Aus Vor­sicht trai­nie­ren viele Ältere zu lange mit zu leich­ten Gewich­ten. Der Reiz reicht dann nicht aus, um Mus­kel­auf­bau anzu­stos­sen. Pro­gres­sion ist auch im Alter Pflicht, nur eben in klei­ne­ren, sau­be­ren Schrit­ten.

Cardio statt Kraft

Velo fahren, Walken, Wandern sind wert­voll für das Herz-Kreis­lauf-System. Sie erset­zen aber kein Wider­stands­trai­ning. Beide Trai­nings­for­men ergän­zen sich, erset­zen sich nicht. Mehr über das Zusam­men­spiel erklärt der isports-Maga­zin­ar­ti­kel zum Hyper­tro­phie-Trai­ning.

Vernachlässigte Beine

Bein­kraft ist die wich­tigste Schutz­kraft im Alter. Sie ent­schei­det über Auf­ste­hen, Trep­pen­stei­gen und Gleich­ge­wicht. Trotz­dem fokus­sie­ren viele zuerst auf Bauch und Arme.

Zu wenig Eiweiss am Morgen

Klas­si­ker der Schwei­zer Früh­stücks­kul­tur wie Brot mit Kon­fi­türe oder Müesli mit Milch ent­hal­ten oft kaum Protein. Die erste Tages­mahl­zeit ist aber beson­ders wichtig, um den nächt­li­chen Eiweiss­ab­bau zu kom­pen­sie­ren. Quark, Eier oder Hüt­ten­käse helfen.

Zurück zur Alltagskraft

Drei Ein­hei­ten pro Woche, Eiweiss zu jeder Mahl­zeit, min­des­tens sieben Stunden Schlaf: das sind wich­tigs­ten Pfeiler für den Mus­kel­auf­bau – egal ob mit 30 oder 60. Nach zwölf Wochen werden Sie merken, dass sich jede noch so kleine All­tags­be­we­gung sich leich­ter anfühlt und Sie an Kraft dazu­ge­win­nen. Das pas­sende Equip­ment für Ihren Trai­nings­start finden Sie im isports Online­shop – dieses können Sie sogar vor Ort live in unserem Show­room in Lupfig testen. Unser Fach­per­so­nal berät Sie gerne.

Häufige Fragen zum Muskelaufbau im Alter

Wie oft sollte man im Alter Krafttraining machen?

Zwei bis drei Ein­hei­ten pro Woche reichen aus, um nach­hal­ti­gen Mus­kel­auf­bau anzu­stos­sen. Wichtig sind min­des­tens 48 Stunden Pause zwi­schen zwei Ein­hei­ten der­sel­ben Mus­kel­gruppe.

Wie schnell sieht man Erfolge beim Muskelaufbau im Alter?

Erste Kraft­zu­wächse zeigen sich nach vier bis sechs Wochen, sicht­ba­res Mus­kel­wachs­tum nach acht bis zwölf Wochen regel­mäs­si­gen Trai­nings. Ältere brau­chen meist etwas mehr Geduld als 30-Jährige, der Effekt bleibt aber deut­lich messbar.

Ist Muskelaufbau mit 70 Jahren noch möglich?

Ja. Auch mit 70 oder 80 reagie­ren Muskeln noch auf Trai­nings­reize. Mehrere Studien an Über-80-Jäh­ri­gen zeigen Kraft­zu­wächse von über 100 Prozent in wenigen Wochen, vor­aus­ge­setzt das Trai­ning ist pro­gres­siv und aus­rei­chend inten­siv.

Brauche ich Eiweisspulver für den Muskelaufbau im Alter?

Nicht zwin­gend. Wenn Sie Ihren Tages­be­darf von 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiss pro Kilo­gramm Kör­per­ge­wicht über normale Lebens­mit­tel decken können, brau­chen Sie kein Pulver. Bei kleinem Appetit oder ein­ge­schränk­ter Kau­bar­keit ist ein Pro­te­in­shake nach dem Trai­ning jedoch eine prak­ti­sche Hilfe.

Schadet Krafttraining den Gelenken im Alter?

Im Gegen­teil. Sauber aus­ge­führ­tes Kraft­trai­ning stärkt Sehnen, Bänder und Knorpel und ent­las­tet Gelenke im Alltag. Vor­aus­set­zung sind tech­nisch kor­rekte Übungs­aus­füh­run­gen und eine pro­gres­siv ange­passte Belas­tung.

Quellenverzeichnis:

(1) Wang, Z. et al. (2023): Com­pa­ra­tive effi­cacy of dif­fe­rent resis­tance trai­ning pro­to­cols on bone mineral density in post­me­no­pau­sal women: A sys­te­ma­tic review and network meta-ana­ly­sis. Fron­tiers in Phy­sio­logy, 14:1105303.

(2) PROT AGE Study Group (2013): Evidenc-based recom­men­da­ti­ons for optimal dietary protein intake in older people: A posi­tion paper from the PROT AGE Study Group