Deadlift — Alles was Sie übers Kreuzheben wissen müssen

21. Januar 2025 | Kraft

Kreuz­he­ben, auch Dead­lift genannt, gehört in jeden Trai­nings­plan. Die Übung bean­sprucht nahezu alle grossen Mus­kel­grup­pen, ver­bes­sert die Kör­per­hal­tung und stärkt die funk­tio­nale Kraft – von der Rumpf- bis zur Bein­mus­ku­la­tur. Doch so effek­tiv die Übung ist, so anspruchs­voll ist sie auch: Eine präzise Technik ist uner­läss­lich, um Ver­let­zun­gen zu ver­mei­den und opti­male Ergeb­nisse zu erzie­len. Wir stellen Ihnen in unserem Beitrag die rich­tige Technik vor, ver­ra­ten Ihnen, wie Sie typi­sche Fehler ver­mei­den und das Maximum aus Ihrem Trai­ning her­aus­ho­len.

Was ist Kreuzheben?

Eigent­lich ist es ganz unkom­pli­ziert: Sie heben ein schwe­res, ruhen­des Gewicht (dead weight) vom Boden an (lift), richten sich auf und setzen das Gewicht wieder kon­trol­liert ab. Das klingt einfach, oder? Tat­säch­lich trai­nie­ren Sie dabei fast Ihren gesam­ten Körper. Beson­ders bean­sprucht werden:

  • Bein­stre­cker und Bein­beu­ger,
  • Gesäss­mus­ku­la­tur,
  • Nacken- und Schul­ter­mus­ku­la­tur,
  • Core-Mus­ku­la­tur (Rücken und Bauch),
  • Hand- und Unter­arm­mus­ku­la­tur.

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Mit dieser Übung können Sie nicht nur gezielt Muskeln auf­bauen und Ihre Kraft stei­gern, sondern auch Ihre Haltung und Sta­bi­li­tät ver­bes­sern. Wenn Sie nach einer viel­sei­ti­gen und effek­ti­ven Übung suchen, ist das Kreuz­he­ben die per­fekte Wahl. Aber wie bereits ange­spro­chen, ist die präzise Technik ent­schei­dend, des­we­gen stellen wir Ihnen die rich­tige Aus­füh­rung nun Schritt für Schritt vor.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Kreuzheben

Bevor Sie mit Dead­lifts begin­nen, sollten Sie sich natür­lich die rich­tige Aus­rüs­tung besor­gen. Am besten ver­wen­den Sie eine Olympia-Lang­han­tel­stange (20 Kilo­gramm) und Han­tel­schei­ben, die eine aus­rei­chende Höhe der Hantel sicher­stel­len. Für Anfän­ger eignen sich natür­lich auch leichte Han­tel­schei­ben, um die Technik sauber zu üben. Das Gesamt­ge­wicht sollte spürbar, aber nicht über­for­dernd sein. Für Männer ohne Erfah­rung sind 40 bis 60 Kilo­gramm ein guter Ein­stieg, für Frauen 30 bis 40 Kilo­gramm. Wichtig ist, dass Sie sich als Ein­stei­ger auf die präzise Aus­füh­rung kon­zen­trie­ren, bevor Sie die Last erhöhen.

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Der richtige Stand

Der Stand ist das Fun­da­ment einer sau­be­ren Technik. Treten Sie an die Han­tel­stange heran, ohne sie zu rollen. Die Stange sollte direkt über der Mitte Ihrer Füsse liegen. Stehen Sie schul­ter­breit und drehen Sie Ihre Füsse leicht nach aussen, um mehr Sta­bi­li­tät zu gewin­nen. Achten Sie darauf, dass Ihr Gewicht gleich­mäs­sig auf den gesam­ten Fuss ver­teilt ist, damit Sie während der Übung sicher stehen.

Die Startposition

Beugen Sie leicht die Knie, sodass Ihre Schien­beine die Hantel berüh­ren, ohne in eine tiefe Knie­beuge zu gehen. Halten Sie den Rücken gerade und die Hüfte leicht nach hinten gescho­ben. Greifen Sie die Stange im Ober­griff, bei dem beide Hand­flä­chen zum Körper zeigen, und posi­tio­nie­ren Sie die Hände aus­ser­halb Ihrer Knie. Ziehen Sie die Schul­tern nach hinten und unten, stre­cken Sie die Brust nach vorn und richten Sie Ihren Blick gera­de­aus, um die Hals­wir­bel­säule zu sta­bi­li­sie­ren.

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Tipp: Falls Ihnen der Ober­griff schwer­fällt, können Sie den Wech­sel­griff (eine Hand im Ober­griff, die andere im Unter­griff) nutzen, um die Griff­kraft zu unter­stüt­zen.

Die Aufwärtsbewegung

Spannen Sie Ihre Rumpf­mus­ku­la­tur – ins­be­son­dere Bauch und unterer Rücken – an, um die Wir­bel­säule während der Bewe­gung zu sta­bi­li­sie­ren. Atmen Sie tief ein und begin­nen Sie die Auf­wärts­be­we­gung. Drücken Sie die Füsse fest in den Boden und führen Sie die Stange eng an Ihrem Körper nach oben. Der Rücken bleibt stets gerade, und die Arme sind voll­stän­dig gestreckt. Sobald Sie die Hüfte voll­stän­dig durch­ge­streckt haben und auf­recht stehen, ist der erste Teil der Bewe­gung abge­schlos­sen. Achten Sie beson­ders darauf: Ver­mei­den Sie ein Hohl­kreuz oder ein Über­stre­cken nach hinten am oberen Punkt der Bewe­gung. Halten Sie den Rumpf stabil und die Span­nung im gesam­ten Körper auf­recht.

Deadlift-obere-Position - Deadlift - Alles was Sie übers Kreuzheben wissen müssen

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Das kontrollierte Absetzen

Schie­ben Sie Ihre Hüfte nach hinten und senken Sie dabei die Schul­tern ab, um die Stange kon­trol­liert wieder abzu­set­zen. Lassen Sie die Stange eng am Körper ent­lang­glei­ten, während der Rücken gerade bleibt. Die Span­nung im Rumpf sollte während des gesam­ten Bewe­gungs­ab­laufs erhal­ten bleiben. Setzen Sie die Hantel voll­stän­dig auf den Boden ab und bauen Sie die Span­nung für jede Wie­der­ho­lung neu auf.

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Tipp: Nutzen Sie keine schnelle oder ruck­ar­tige Abwärts­be­we­gung, da dies die Kon­trolle mindert und das Ver­let­zungs­ri­siko erhöht.

Richtiges Kreuzheben: So vermeiden Sie Fehler und Verletzungen

Um Ihre Band­schei­ben nicht zu stark zu belas­ten, achten Sie darauf, dass Ihr Rücken während der gesam­ten Übung neutral bleibt. Ein neu­tra­ler Rücken bedeu­tet, dass die natür­li­che Form der Wir­bel­säule – mit ihrer leich­ten Krüm­mung – erhal­ten bleibt. Ver­mei­den Sie sowohl einen Rund­rü­cken als auch ein Hohl­kreuz. Akti­vie­ren Sie Ihre Bauch- und Rücken­mus­ku­la­tur, halten Sie den Blick nach vorne gerich­tet und stre­cken Sie die Brust leicht nach vorne, um eine stabile Haltung zu gewähr­leis­ten. Die Hüfte sollte während der Auf­wärts­be­we­gung kon­trol­liert nach vorn geführt werden, ohne den Rücken zu über­stre­cken. Ein wei­te­rer ent­schei­den­der Punkt ist der Kontakt zwi­schen Stange und Körper. Die Stange sollte während der gesam­ten Bewe­gung eng am Körper geführt werden, um die Belas­tung auf den unteren Rücken zu mini­mie­ren. Leich­ter Druck an den Schien­bei­nen ist normal, sollte aber keine Schmer­zen ver­ur­sa­chen. Ver­mei­den Sie es aus­ser­dem, sich in der End­po­si­tion nach hinten zu lehnen, da dies die Wir­bel­säule unnötig belas­tet.

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Kreuzheben – Eine Übung, viele Varianten

Neben der klas­si­schen Version gibt es ver­schie­dene Vari­an­ten wie Sumo-Dead­lift, Roma­nian Dead­lift oder Deficit-Dead­lift. Sie bieten Ihnen die Mög­lich­keit, gezielt unter­schied­li­che Mus­kel­grup­pen zu trai­nie­ren oder die Technik an Ihre indi­vi­du­el­len Bedürf­nisse anzu­pas­sen. Die Wahl der pas­sen­den Vari­ante hängt ganz von Ihren Zielen ab. Möchten Sie bestimmte Muskeln stärker belas­ten, tech­ni­sche Schwä­chen aus­glei­chen oder Ihre Gesamt­leis­tung stei­gern? Jede Vari­ante hat ihre Vor­teile und lässt sich fle­xi­bel in Ihren Trai­nings­plan inte­grie­ren. Im Fol­gen­den stellen wir Ihnen die wich­tigs­ten Übungs­va­ri­an­ten und ihre spe­zi­fi­schen Ein­satz­mög­lich­kei­ten vor.

Sumo-Deadlift

Mit einer breiten Fuss­stel­lung und nach aussen gedreh­ten Füssen redu­ziert der Sumo-Dead­lift den Bewe­gungs­ra­dius und ver­la­gert die Belas­tung stärker auf die Bein­mus­ku­la­tur. Der untere Rücken wird dabei weniger bean­sprucht, was diese Vari­ante ideal für Per­so­nen macht, die Hüft- oder Rücken­scho­nend trai­nie­ren möchten. Der ver­än­derte Hebel ermög­licht es aus­ser­dem, mehr Gewicht zu bewegen.

Sumo-Deadlift - Deadlift - Alles was Sie übers Kreuzheben wissen müssen

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Stiff Leg Deadlift

Beim Stiff Leg Dead­lift bleiben die Beine fast gestreckt, und die Hüfte über­nimmt den gröss­ten Teil der Arbeit. Diese Vari­ante spricht vor allem den unteren Rücken an, während die Bein­mus­ku­la­tur weniger belas­tet wird. Sie erfor­dert eine sehr saubere Technik, um die Wir­bel­säule nicht unnötig zu belas­ten.

Romanian Deadlift

Diese Vari­ante legt den Fokus auf die Hüft­stre­ckung und den Ober­kör­per. Die Knie bleiben leicht gebeugt, und die Bewe­gung erfolgt vor­wie­gend aus der Hüfte. Dadurch werden die Bein­beu­ger und der untere Rücken inten­siv bean­sprucht, während die Ober­schen­kel­vor­der­sei­ten weniger belas­tet werden. Der Roma­nian Dead­lift eignet sich beson­ders, um die hintere Kette zu stärken und die Beweg­lich­keit der Hüfte zu fördern.

Romanian Deadlift: Links Ausgangsposition, rechts Endposition

Von Ever­ki­ne­tic — http://everkinetic.com/, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11976337

Deficit Deadlift

Hier starten Sie aus einer erhöh­ten Posi­tion, indem Sie z.B. auf einer Platt­form stehen. Dadurch ver­grös­sert sich der Bewe­gungs­be­reich, und die Mus­ku­la­tur wird inten­si­ver gefor­dert. Der Deficit Dead­lift eignet sich her­vor­ra­gend, um die Kraft und Explo­si­vi­tät aus der Start­po­si­tion zu ver­bes­sern.

Anleitung: Die Deadlift Ausführung ohne Langhantel

Die klas­si­sche Lang­han­tel ist die beste Wahl, um die Kreuz­he­ben-Technik sauber zu erler­nen und maxi­male Sta­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten. Falls diese nicht ver­füg­bar ist, gibt es Alter­na­ti­ven, die ähn­li­che Bewe­gungs­ab­läufe ermög­li­chen. Diese sind:

Kurzhanteln

Legen Sie zwei Kurz­han­teln vor sich ab und greifen Sie sie im Ober­griff. Führen Sie die Bewe­gung, wie in der klas­si­schen Anlei­tung beschrie­ben, aus und halten Sie die Hanteln nah am Körper. Diese Vari­ante bean­sprucht die glei­chen Mus­kel­grup­pen, ist jedoch weniger sta­bi­li­sie­rend, da die Gewichte getrennt sind.

Deadlift-mit-Kurzhanteln

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Kettlebells

Ver­wen­den Sie eine oder zwei Kett­le­bells. Beim soge­nann­ten „Koffer-Kreuz­he­ben“ halten Sie die Kett­le­bells seit­lich am Körper und führen die Bewe­gung wie gewohnt aus. Diese Vari­ante eignet sich beson­ders gut für Ein­stei­ger, da sie die Balance leich­ter hält. Man kann die Übung aber auch analog dem klas­si­schen Kreuz­he­ben aus­füh­ren.

Mann-Kettle-Bell-Deadlift

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Trapbar

Die Trapbar, ein hexa­go­na­les Stan­gen­ge­stell, ermög­licht eine ergo­no­mi­schere Griff­po­si­tion. Sie stehen inner­halb der Trapbar und heben das Gewicht durch Griffe seit­lich Ihres Körpers. Viele emp­fin­den diese Vari­ante als ange­neh­mer, da der Rücken ent­las­tet und der Fokus stärker auf die Bein­mus­ku­la­tur gelegt wird. Dennoch emp­fiehlt es sich, die Technik mit der klas­si­schen Lang­han­tel­stange zu erler­nen, bevor Sie zur Trapbar wech­seln.

Deadlift-mit-Trapbar

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So integrieren Sie Kreuzheben in Ihren Trainingsplan

Beim Kreuz­he­ben sollten Sie nicht bis zum Mus­kel­ver­sa­gen trai­nie­ren, da dies kon­tra­pro­duk­tiv für den Mus­kel­auf­bau sein kann und das Ver­let­zungs­ri­siko erhöht. Eine sinn­volle Belas­tung und saubere Technik haben hier Vorrang. Wenn Sie an Ihrer Maxi­mal­kraft arbei­ten möchten, sind eine bis fünf Wie­der­ho­lun­gen mit 80 bis 100 Prozent Ihres 1RM (maxi­ma­les Gewicht für eine Wie­der­ho­lung) emp­feh­lens­wert. Für den Mus­kel­auf­bau eignen sich sechs bis zwölf Wie­der­ho­lun­gen bei einer Inten­si­tät von 60 bis 80 Prozent Ihres 1RM. Begin­nen Sie mit dem Kreuz­he­ben einmal pro Woche und stei­gern Sie die Fre­quenz später auf zwei Ein­hei­ten, um den Trai­nings­ef­fekt zu erhöhen. Wählen Sie das Gewicht und die Wie­der­ho­lungs­zahl so, dass Sie am Ende jedes Satzes noch ein bis drei Wie­der­ho­lun­gen theo­re­tisch sauber aus­füh­ren könnten. Sobald Sie merken, dass Ihre Haltung leidet oder die Technik unsau­ber wird, ver­rin­gern Sie ent­we­der das Gewicht oder die Wie­der­ho­lungs­an­zahl. Fort­schritte erzie­len Sie nur mit einer sau­be­ren Aus­füh­rung – Sicher­heit und Prä­zi­sion sind dabei das Wich­tigste.